Wehrdienst, Zivildienst, Freiwilligendienst
Aktuelle Entwicklungen und Perspektiven
Mit der Einführung des Neuen Wehrdienstes stellen sich viele wichtig Fragen. Diese Seite gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen und ordnet ihre Bedeutung für Freiwilligendienste ein.
Der Neue Wehrdienst
Das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz (WdModG)
Seit dem 1. Januar 2026 gilt das Wehrdienst-Modernisierungsgesetz. Ziel ist es, zusätzliche Freiwillige für die Bundeswehr zu gewinnen. Die Eckpunkte in Kürze:
- Es gibt eine verpflichtende Musterung für junge Männer ab dem Jahrgang 2008
- Alle Volljährigen erhalten einen Online-Fragebogen - für Männer verpflichtend, für Frauen freiwillig
- Der Freiwilligendienst wird im Fragebogen erwähnt
- Der Wehrdienst ist freiwillig
Der Freiwilligendienst wird im Verfahren berücksichtigt, das Verhältnis zum Wehrdienst ist aber rechtlich nicht geregelt.
Zeitliche Einordnung der Entwicklungen und Debatten
Stärkung der Freiwilligkeit
Mit dem Neuen Wehrdienst wird das Prinzip der Freiwilligkeit politisch gestärkt und setzt auf Anreize statt Pflicht. Dabei wird den Freiwilligendiensten eine große Bedeutung beigemessen:
- Die Bundesmittel für Freiwilligendienste wurden deutlich erhöht, um die Zahl der Plätze auszubauen.
- Der neue Wehrdienst und die Freiwilligendienste werden gesehen als „zwei komplementäre Elemente einer zukünftigen Gesamtarchitektur gesellschaftlicher Resilienz“. (Entschließungsantrag zum Freiwilligendienst, S. 6, 7). Freiwilligendienste gelten als zentraler Beitrag für Orientierung, Demokratiebildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Freiwilligendienste stehen vor Herausforderungen
Die Freiwilligendienste werden politisch gestärkt - gleichzeitig stehen sie vor großen Herausforderungen:
Finanzierung
Die Kosten pro Platz sind aufgrund allgemeiner Kostensteigerungen stark gestiegen und belasten Einsatzstellen und Träger. Zwar wurden die Mittel erhöht, aber für einen Ausbau braucht es mehr Förderung pro Platz
Wettbewerb
Der freiwillige Wehrdienst wird aktuell deutlich höher vergütet als Freiwilligendienste. Mit der Debatte um einen möglichen Zivildienst kommen zudem Fragen zur Abgrenzung auf.
Zugangshürden
Der Freiwilligendienst erreicht nicht alle jungen Menschen gleichermaßen. Insbesondere finanziell benachteiligte Jugendliche können es sich häufig nicht leisten, die Chancen eines Freiwilligendienstes zu nutzen.
Unsere Position
Freiwilligendienste sind freiwillige Bildungs- und Orientierungsangebote. Sie fördern gesellschaftliches Engagement, demokratische Teilhabe und persönliche Entwicklung.
Als Träger für Freiwilligendienste und Mitglied des Landesarbeitskreises FSJ in Baden-Württemberg setzen wir uns für eine Stärkung der Freiwilligendienste ein:
- Bedarfsgerechte Finanzierung
Um die höhere Nachfrage zu bedienen und den dauerhaften Ausbau zu ermöglichen, braucht es eine bedarfsgerechte Refinanzierung der pädagogischen Begleitung.
- Freiwilligendienst für alle
Zugang zum Freiwilligendienst muss unabhängig von der sozialen Herkunft möglich sein. Deshalb braucht es unter anderem eine Anhebung des Taschengeldes auf BAföG-Niveau. Jeder junge Mensch in Baden-Württemberg soll die Chancen eines Freiwilligendienstes kennen.
- Recht auf Freiwilligendienst
Wir fordern ein Recht auf Freiwilligendienst (Vision 2030)
Was Einrichtungen tun können
Einsatzstellen für Freiwilligendienste können weiterhin dazu beitragen, Freiwilligendienste zu stärken:
- Freiwilligendienste aktiv sichtbar machen und Einsatzmöglichkeiten klar kommunizieren
- Politische Entwicklungen aufmerksam verfolgen
- Die Bedeutung von Freiwilligendiensten öffentlich vertreten
Weitere Informationen
Auf der Website des Bundesarbeitskreises FSJ finden Sie weiterführende Informationen zur politischen Agenda und den zentralen Forderungen 2026 der verbandlichen Zentralstellen.