Freiwilligendienst_Rottenburg-Stuttgart_Baden-Wuerttemberg_kurz

Nicht geplant - super gelaufen

Sajjaad wusste genau, dass er nach der Schule sofort studieren will, am liebsten interkulturelle Betriebswirtschaft. Auf keinen Fall Zeit verschwenden. Doch es lief nicht ganz, wie geplant. Seine Fachhochschulreife hatte er wegen einer Prüfung nicht bestanden und musste neu planen. So bewarb er sich kurzfristig im Caritas Krankenhaus in Bad Mergentheim für eine FSJ-Stelle – mit Erfolg. Von einem FSJ wusste er anfangs nicht viel – er hielt es hauptsächlich für Zeitverschwendung und als Möglichkeit für jene, die nicht wissen, welchen Beruf sie ergreifen sollen.

„Ich hatte am Anfang keine Vorstellung von einem FSJ. Ich dachte mir: Toll wird’s nicht, einfach das Jahr rumkriegen. Jetzt bin ich überwältigt, welche Erfahrungen ich gemacht habe.“

Das FSJ hat ihm persönlich sehr viel gebracht, insbesondere die Reflexion seiner praktischen Tätigkeit in der Einsatzstelle bei den Kurswochen hat ihm geholfen, sein Selbstbewusstsein zu stärken, sagt er. Das will was heißen. Denn der junge Iraker konnte bereits zu genüge erfahren, wie es ist, neu zu beginnen: Im Alter von 13 Jahren ist er mit seiner Familie aus seiner Heimat nach Deutschland geflohen. Der Start war nicht einfach, denn er musste von Grund auf die deutsche Sprache lernen. Doch mit seinem Ehrgeiz und der Motivation durch seine Eltern schaffte er es über die Hauptschule und die Werkrealschule schließlich auf das Gymnasium. Nun leistet Sajjaad im Caritas Krankenhaus Bad Mergentheim sein FSJ in der Inneren Medizin. Als rechte Hand der Stationsschwester hat er ein vielfältiges Aufgabenfeld: Er kümmert sich um Bestellungen, versorgt Patienten, stellt Essen für sie bereit – und hilft als Übersetzer für Geflüchtete, die im Krankenhaus versorgt werden. Mit seinem Hintergrund und seinen sprachlichen Kompetenzen ist er ein wertvoller Gewinn für die Einrichtung. Nach seinen zwölf praktischen Monaten im FSJ hat er sein Fachabitur in der Tasche und wird sich dann für sein Wunschstudium, interkulturelle BWL, bewerben. Dass sein späterer Beruf mit seinem FSJ inhaltlich nicht viel zu tun hat, sieht er als Bereicherung. „Ich hab was anderes gemacht, als das, was ich später machen möchte. Ich habe eine andere Perspektive kennengelernt.“ Besonders gut findet Sajjaad, dass man die Schwerpunkte der Seminare selbst wählt und sich sehr praxisnah damit auseinandersetzt. „Wir haben Projekte und Themen behandelt, die ich so wohl nie wieder machen werde. Erfahrungen, die ich sehr wichtig finde.“ Zeitverschwendung war das Jahr für ihn nicht. Zu seiner Einsatzstelle will er im Anschluss an sein FSJ Kontakt halten und weiterhin als Übersetzer helfen.

„Im Nachhinein habe ich bemerkt, dass ich diese Zeit gebraucht habe, nach der Hauptschule und dem Abistress. Das FSJ war nicht geplant, trotzdem ist es super gelaufen. Jetzt bin ich sehr froh, dass ich nicht sofort studiert habe.“